Trebeta  
 

Hnefatafl

Wer sind die Weiber,
die waffenlos
um ihren König kämpfen?
Die schwarzen schützen,
doch die schönen gehen vor,
beide Tag für Tag.
König Heidrek,
kannst du es raten?

Gut ist dein Rätsel,
Gestumblindi,
gleich ist's erraten:
das ist das Brettspiel: die Brett-
steine erschlagen sich waffenlos
um den König, und die dunkeln
halten's mit ihm.

So findet das "Brettspiel der Wikinger", Hnefatafl, in den Heidreksrätseln Erwähnung. König Heidrek hatte nämlich ein Gelübde abgelegt, jeden Übeltätiger zu begnadigen, der ihm ein Rätsel aufgeben konnte, welches er nicht lösen könne. Als Odin selbst unter dem Namen Gestumblindi kommt um ihm Rätsel aufzugeben, wird unter anderem die obige Frage gestellt. Das Rätselspiel endet übrigens damit, dass Odin ihm die gleiche Frage wie dem Wafthrudnir stellt, nämlich: "Was sagte Odin ins Ohr dem Balder, eh man auf den Holzstoß ihn hob?". Als Heidrek sein Gegenüber erkennt schlägt er in Rage mit dem Schwert nach ihm, doch Odin verwandelt sich in eine Falken und konnte fliehen. Nur die Schwanzfedern wurden ihm gestutzt (der Falke hat seit dem tatsächlich einen recht kurzen Schwanz).

Das Spiel zählt neben Schach heute sicherlich zu den beliebtesten Brettspielen unter Frühmittelalterdarstellern. Doch leider sind keine genauen Regeln überliefert, sondern die heute gültigen Regelwerke mussten aus mehreren verschiedenen Regelwerken hergeleitet werden, die zudem allesamt nicht gesichert wikingerzeitlich sind. Damit nicht genug sind auch unterschiedliche Brettgrössen vorgefunden wurden, die Spielfeldgrössen variieren zwischen 7x7 und 19x19 Feldern, die in unterschiedlichen Regionen unter unterschiedlichen Namen bekannt waren: Tablut, Tawl-bwrdd, Fidchell und Brandub - in den Isländischen Sagas heisst das Spiel "Hnefatafl" und dabei wollen wir es belassen.

So wundert es natürlich nicht, dass zwar alle Hnefatafl spielen, aber fast jeder gegenüber dem anderen eine Besonderheit in seinem Regelwerk hat. Um wenigstens die Hoffnung zu haben, dass sich eines Tages ein festes Regelwerk etablieren kann, gehe ich deshalb hier nicht auf jede einzelne bekannte Variante ein, sondern gebe die Regeln wieder nach denen wir spielen.

Spielbrett und Figuren

Wir spielen Hnefatafl auf einem 13x13 grossen Brett. Die Seite des Hnefis ("König") hat 12 Maiden (+ Hnefi), die Angreifer rücken mit 24 Maiden vor.

Dieses Brett ist aus Buchenholz gefräst und am Rand mit dem Heidreksrätsel-Zitat aus dem Hauksbok in Runenschrift verziehrt. Das Thronfeld und die Eckfelder sind vertieft, die Aufstellung beider Heere ist auf dem Feld markiert. Das Holz ist mehrmals gewachst.

Die Figuren sind echte Bergkristalle (klar) und Carneole (braun). Leider habe ich sie in einem Anflug geistiger Umnachtung genau verkehrt herum gekauft, d.h. 12 weisse und 24 braune Steine. Laut Hauksbok hätte es genau umgekehrt sein müssen. Irgendwann wird dieser Fehler korrigiert werden.

Der Hnefi ist aus einem Hornende geschnitzt und poliert.

Spielregeln

Hnefatafl ist ein unbalanciertes Spiel, d.h. die Schwierigkeit als Angreifer entspricht nicht der Schwierigkeit, welche der Verteidiger hat. Daher werden immer zwei Partien mit wechselnder Rollenverteilung gespielt.

Spielziel

Ziel der Verteidiger ist es mit der Figur des Königs eines der vier Eckfelder am äußeren Rande des Spielfeldes zu erreichen. Ziel des Angreifers ist es, den König an seiner Flucht zu hindern und gefangen zu nehmen.

Bewegung

  • Der Angreifer beginnt das Spiel.
  • In jedem Zug wird eine Spielfigur bewegt, es herrscht Zugzwang.
  • Alle Figuren können eine beliebige Anzahl freier Felder in horizontaler und vertikaler Richtung ziehen (wie der Turm beim Schach).
  • Diagonales ziehen oder überspringen von Figuren ist verboten.
  • Ein Zug muß immer auf einem freien Feld enden.
  • Der Thron und die Ecken dürfen nur vom König betreten werden, andere Figuren müssen darüber hinweg ziehen.

Gefangennahme

  • Eine Figur wird gefangen genommen, indem sie von 2 gegnerischen Figuren eingeschlossen wird.
  • Alle drei Figuren bilden dabei eine gerade Linie, die gefangene Figur in der Mitte. Diese gerade Linie ist entweder horizontal oder vertikal, diagonal findet keine Gefangennahme statt.
  • Der König wird genauso gefangengenommen wie jede andere Figur auch.
  • Die Eckfelder und der Thron zählen wie Gefolgsleute des Königs. Angreifer, welche sich neben den Eckfeldern plazieren, schweben in der Gefahr von den Gefolgsleuten des Königs geschlagen zu werden.
  • Zieht eine Figur zwischen zwei gegnerische Figuren, so findet keine Gefangennahme statt.
  • Es besteht kein Schlagzwang!
  • Eine gefangene Figur wird vom Spielfeld entfernt.

Hnefatafl SpielregelnSpielregeln als PDF Dokument zum ausdrucken

Beispiele bestimmter Spielsituationen

Aufstellung der VerteidigerAufstellung der Verteidiger
You have an error in your SQL syntax; check the manual that corresponds to your MySQL server version for the right syntax to use near '/auf_braun.JPG' at line 1Aufstellung der Angreifer. Dieser Aufbau wird auf allen vier Seiten wiederholt.
Einfaches SchlagenDer vordere braune Stein ist hier in Gefahr, denn direkt neben ihm befindet sich bereits ein weisser Stein und ein weiterer weisser Stein kann an die andere Seite ziehen..
Einfaches Schlagen..weiss zieht neben den braunen Stein. Der braune ist in einer Linie zwischen zwei weissen Steinen eingeschlossen und somit geschlagen. Er wird vom Brett entfernt.
Diagonale LinieDer weisse Stein ist nicht geschlagen. Zum schlagen muss eine senkrechte oder wagerechte Linie stehen. Eine Diagonale schlägt nicht.
Schlagen in der EckeHier ist der braune Stein in Gefahr..
Schlagen in der Ecke..er steht neben einem Eckfeld, auf die andere Seite ist ein weisser Stein gezogen. Damit ist er geschlagen und wird vom Brett entfernt.
Schlagen in der EckeIst der weisse Stein in Gefahr?
Schlagen in der EckeNein, denn Ecken und Thronfeld verhalten sich wie Gefolgsleute des Königs, und nicht als Gefolgsleute des Angreifers. Der Zug des Angreifers hat also keine Konsequenzen
Schlagen am ThronDer braune Stein ist in Gefahr..
Schlagen am ThronWenn der Thron unbesetzt ist, gilt er trotzdem als gegnerische Figur. Der braune Stein ist geschlagen und wird vom Brett entfernt.
Sichere EckeDiese Ecke ist gesichert, solange der Angreifer nicht in Zugzwang gerät. Probiert es aus! ;^)
Gewonnen!Der Hnefi ist geschlagen! Die Angreifer haben gewonnen.
Gewonnen!Der Hnefi hat es in eine Ecke geschafft. Die Verteidiger haben gewonnen.

Demjenigen, der sich umfassender über das Spiel informieren will, sei die Website Hnefatafl - the Strategic Board Game of the Vikings empfohlen.

Thomas

Kommentare zu diesem Beitrag:

Marc Häuser
19.03.2005, 19:39 Uhr
sehr interessantes Spiel, werde mal testen ein schachbrett umzufunktionieren^^

Allerdings schreibt ihr, dass euer brett 15*15 messen würde, ich zähle jedoch nur 13*13...
 
Thomas Nesges
21.03.2005, 07:43 Uhr
Hast natürlich Recht, das Brett ist 13x13 gross. Danke für den Hinweis! :-)
 
svenja franck
30.03.2005, 22:48 Uhr
also ich kenne es aus verschiedenen Reenactment-Büchern so, dass der hnefi von vier angreifern umzingelt werden muss, um geschlagen zu werden, ist aber für ungeübte sehr schwer durchzuführen, daher die frage, woher habt ihr die regeln? denn ehrlich gesagt ist eure reglung plausibler und hat uns den spielspass zurück gegeben. ;-)
 
Thomas Nesges
31.03.2005, 07:49 Uhr
Die Regel, dass der Hnefi zu viert geschlagen werden muss, kenne ich auch. Haben wir ausprobiert und es ist wie du sagst: Macht einfach keinen Spass, weil's zu schwierig ist. Wer mit der Idee kam "einfach" zu schlagen, kann ich aber nicht mehr sagen :-)
 
Florian Limberger
29.05.2005, 18:55 Uhr
Wie darf sich den der König(oder Hnefi) bewegen? Ich hab gelesen, es gab Varianten, da musste die Feldzahl gewürfelt werden. Dann fällt auch das Umzingeln leichter. Ist es denn nicht wahnsinnig schwer, den König von den Ecken fernzuhalten?
 
Thomas Nesges
30.05.2005, 07:56 Uhr
Der Hnefi bewegt sich genauso wie die anderen Figuren auch. Die Feldzahl auszuwürfeln klingt interessant, ist aber bestimmt nicht ganz einfach. Den König in eine der Ecken zu bekommen, klingt vielleicht einfacher als es ist. Einfach mal spielen! :-)
 
Eragon13,5
06.07.2006, 13:52 Uhr
Dummes spiel
 
Netanuk Olgathorson
31.07.2006, 19:40 Uhr
tja dumm wagt es nur zu nennen wer es nicht wagt zu spielen und lernt zu beherrschen... ;-)
 
jojo366
19.08.2006, 17:27 Uhr
wow klingt interessant ich glaub ich bau mir so was nach klingt n bissl wie schach

P.S. ich liebe schach

und noch ein bissl werbung www.maximus-imperator.de.tl
 
Daniel
02.09.2006, 17:26 Uhr
Wer es noch nicht gefunden hat http://home20.inet.tele.dk/rnielsen/hnefatafl_online.html
online spielen, sogar in deutsch, aber nur eine Person gegen den Computer.
http://www.irt.org/games/js/hnefat/index.htm zwei Spieler gegen einander.

Beide sind 11x11 und bei ersten Link kann man einstellen ob der König von zwei oder vier umringt werden muss.
 
Daniel
02.09.2006, 21:49 Uhr
Hier ein Spielbrett 11x11 zum ausdrucken.

[url=http://img402.imageshack.us/my.php?image=hnefataflgrovb6.jpg][img=http://img402.imageshack.us/img402/5969/hnefataflgrovb6.th.jpg][/url]
http://img402.imageshack.us/img402/5969/hnefataflgrovb6.jpg
 
Hendrik
03.05.2007, 08:55 Uhr
danke für die erklärungen habe viele probleme mit ungenauen spielbeschreibungen gehabt. Gute Seite gutes Spiel
 
Averian
22.08.2007, 13:24 Uhr
Ma ne Frage ich habe mir das Brett selber gebaut und es macht riesig spass ich spiele es immer mit einem freund aber uns ist jetz ein Problem aufgefallen:
sagen wir in einer Reihe ist ein schwarzer stein dann ein weißer nun kommt ein freies feld dann wieder ein weißer und wieder ein schwarzer. was passiert wenn in dies Lücke nun ein schwarzer rein zieht. sind dann beide weißen weg oda passiert gar nichts weil ich zwischen zwei weiße ziehe.
 
J. Pilger
04.01.2009, 12:54 Uhr
Wenn man ein Spielbrett 7x7 benutzt,
wie variiert man dann die Spielfiguren?
mit 24 und 12 funktioniert das ja dann nicht...
lg
 
Bergelmir
02.09.2009, 22:16 Uhr
ich habe das spiel selbst schon einige male gespielt mir war es eigenartiger weise nur als lüneburger königsspiel bekannt aber ich kann es nur empfehlen
da schach aus dem fernen osten kommt finde ich es gut, mal etwas aus der "Heimat" auszuprobieren
danke übrigens für diesen bericht, ohne die felderzahl könnte ich mir kein eigenes brett bauen^^
 
UK
02.01.2010, 18:52 Uhr
Ich habe ein Spiel aus Dänemark, 11x11 Felder, 4x6 weiße, 12 schwarze Steine und einen König. Laut der mitgelieferten Regelwerkübersetzung gilt das Eckfeld nicht automatisch als schwarz (so wie im 5. Bild zu sehen: wenn weiß jetzt auf das Randfeld zieht, wird der schwarze Stein herausgenommen. Gleiches gilt auch bei vertauschten Farben.). Der König muß von 4 weißen Steinen (oder 3 und dem Mittelfeld) umzingelt sein um zu verlieren. Auch gilt, daß man sich zwischen 2 gegnerische Figuren stellen kann, ohne seinen Stein zu verlieren.
 
Nielsen
20.05.2010, 16:52 Uhr
Interesting rule set. I am curious to know the origin of the rule about the throne and the corner squares being hostile only to the attackers? It sounds reasonable and no doubt helps the balance of the 2-side capture variant, but does the rule come from a historical source?
As UK mentions, the Danish museum rule set has the king captured from 4 sides, but only in the center. Rest of the board only from 2 sides.
By the way the above mentioned site hnefatafl_online has moved to http://aagenielsen.dk/index_nef2.html
 
Andreas
09.06.2010, 22:21 Uhr
Vielen Dank für diese mehr als geniale Spiel!
Ich hab mir vor selbst ein Brett gemacht und seitdem spielen wir es regelmäßig in unserem Freundeskreis.
Und an alle, die das Spiel für simpel halten: Es ist teilweise komplexer als Schach! Also absolut tauglich für jeden, der gerne Strategiespiele spielt ;)
 
Stephan
16.08.2010, 19:02 Uhr
Habe das Spiel in Norwegen kürzlich erworben. Wenn ich die dortigen Spielregeln richtig verstehe, kann eine Figur auch über Eck geschlagen werden. Es müssen lediglich zwei Angreifer die Figur umzingeln,egal ob in einer Linie oder eben über Eck (aber nicht diagonal). Kennt das jemand genauso?
 
Sören
19.08.2010, 17:32 Uhr
Danke, das Spiel scheint echt cool zu sein, werde das mal mit meinen Geschwistern testen.... is mal was anderes als Schach^^.
Leute. die haben doch geschrieben dass das IHRE VERSION ist, und das es noch viele andere gibt.
Nochmal danke.
 

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