Trebeta  
 

Die Götterburgen

Im Grimnismal beschreibt Odin unter dem Namen Grimnir die Behausungen der Götter.

Thrudheim und Bilskirnir

Heilig ist das Land, das ich liegen sehe
Den Asen nah und Alfen.
Dort in Thrudheim soll Thor wohnen
Bis die Götter vergehen.

[Grimnismal 4]

Thrud ist die Tochter Thors und Sifs. Thrudheim, oder vielmehr "Thrudvangar" bedeutet "Feld der Thrud" und bezeichnet eigentlich Thors Wohnstatt. Warum sie nach seiner Tochter benannt ist, ist nicht bekannt. In Thrudheim steht Thors Palast "Bilskirnr" ("strahlender Blitz"):

Fünfhundert Stockwerke und viermal
zehn Weiß ich in Bilskirnirs Bau.
Von allen Häusern, die Dächer haben,
Glaub ich meines Sohns das größte.

[Grimnismal 23]

Bilskirnir hat genau 540 Stockwerke und ist damit das grösste Gebäude Asgards. Odins Halle Walhalla hat genau 540 Tore.

Ydalir

Ydalir heißt es, wo Uller hat
Den Saal sich erbaut.

[Grimnismal 5]

Die Burg des Bogengottes Uller heisst "Ydalir", was "Eibental" übersetzt wird. Bögen wurden hauptsächlich aus Eibenholz gefertigt, da dieser widerstandsfähig und elastisch ist.

Alfheim

Alfheim gaben dem Freyr die Götter im Anfang
Der Zeiten als Zahngebinde.

[Grimnismal 5]

Freyr ist der Herr über die Lichtalben, die in Ljosalfheim, oder einfach Alfheim, wohnen. Alfheim ist eine eigene Welt in der Nähe Asgards, bzw. wird als Freyrs Wohnung auch innerhalb Asgards beschrieben. Freyr erhält Alfheim von den Göttern (Freyr war ehemals ein Wane, wird aber von Snorri zu den Asen gezählt, als "Zahngebinde". In anderen Übersetzungen findet sich der Ausdruck "Zahngeschenk", gemeint ist damit ein Brauch einem Kind ein Geschenk zu geben wenn es seinen ersten Zahn bekommen hat.

Walaskialf

Die dritte Halle hebt sich, wo die heitern Götter
Den Saal mit Silber deckten.
Walaskialf, heißt sie, die sich erwählte
Der As in alter Zeit.

[Grimnismal 6]

Über Walaskialf ist nicht eindeutig bekannt welchem Gott sie zuzurechnen ist. In diesem Eddazitat aus dem Grimnismal ist wahrscheinlich Odin gemeint, da er der erste Ase war und sich seine Wohnung so in "alter Zeit", also vor langer Zeit, aussuchen konnte. Auch Snorri schreibt in Gylfaginning 17: "da ist ferner ein großer Saal, der Walaskialf heißt: das ist Odins Saal". Er stellt auch Odins Thron Hlidskialf nach Walaskialf. Von diesem Thron kann Odin alle neun Welten überblicken. Aufgrund des Namens kann aber angenommen werden, dass Walaskialf eventuell für den Asen Wali erbaut wurde. Übersetzt bedeutet der Name "Silbersaal".

Kleinodheim und Sökkwabeck

Sökkwabeck heißt die vierte, kühle Flut
Überrauscht sie immer;
Odin und Saga trinken alle Tage
Da selig aus goldnen Schalen.

[Grimnismal 7]

Sökkwabeck ist Sagas Heimat. Odin trifft sich dort täglich mit ihr um vom Dichtermet zu trinken. "Sinkender Bach" oder "tiefer Fluss" heisst Sökkwabeck übersetzt. Der Saal befindet sich in Kleinodheim, welches Odin zugesprochen wird.

Gladsheim und Walhalla

Gladsheim heißt die fünfte, wo golden schimmert
Walhalls weite Halle:
Da kiest sich Odin alle Tage
Vom Schwert erschlagne Männer.

Leicht erkennen können, die zu Odin kommen,
Den Saal, wenn sie ihn sehen:
Aus Schäften ist das Dach gefügt und mit Schilden bedeckt,
Mit Brünnen die Bänke bestreut.

Leicht erkennen können, die zu Odin kommen,
Den Saal, wenn sie ihn sehen:
Ein Wolf hängt vor dem westlichen Tor,
Über ihm dräut ein Aar.

[Grimnismal 8-10]

Gladsheim ist Odins Hauptsitz. Das Wort bedeutet "Freudenheim". Dort ist Walhalla gelegen, die Halle in der Odin seinen Teil der gefallenen Krieger (Einherjar) versammelt. Walhalla ist eine Halle für Krieger, das macht ihr Bau deutlich: Die Wände sind aus Speeren, das Dach aus Schilden gefertigt. Die Tische sind mit Kettenhemden (Brünnen) bedeckt. Im Grimnismal erläutert Odin seine Halle noch weiter:

Thundr ertönt, wo Thiodwitnirs
Fisch in der Flut spielt;
Des Stromes Ungestüm dünkt zu stark
Durch Walglaumir zu waten.

Walgrind heißt das Gitter, das auf dem Grunde steht
Heilig vor heilgen Türen.
Alt ist das Gitter; doch ahnen wenige
Wie sein Schloß sich schließt.

[Grimnismal 21-22]

Thiodwitnir heisst "Riesenwolf", damit muss Fenris gemeint sein und sein Fisch könnte Fenris Vater Loki sein, der die Fähigkeit besass sich in einen Fisch zu verwandeln. Der beschriebene Strom ist ein reissender Luftstrom durch den man muss um zu Walhalla zu gelangen. Walgrind heisst "heiliges Tor der Gefallenen" und es öffnet sich nur für die auserwählten Einherjar. Die beschriebenen Hindernisse sind in der Edda nie durch nicht auserwählte überwunden worden. Für die Walküren, die die Gefallenen vom Schlachtfeld bringen, sind sie allerdings kein Problem, da sie einfach über sie hinweg fliegen können.

Fünfhundert Türen und viermal zehn
Wähn ich in Walhall.
Achthundert Einherier ziehn aus je einer,
Wenn es dem Wolf zu wehren gilt.

Fünfhundert Stockwerke und viermal
zehn Weiß ich in Bilskirnirs Bau.
Von allen Häusern, die Dächer haben,
Glaub ich meines Sohns das größte.

[Grimnismal 23-24]

Durch 540 Tore werden zu Ragnarök jeweils 800 Einherjar in den Kampf gegen den Fenriswolf und die Riesen ziehen. Thors Palast Bilskirnir wird die gleiche Anzahl an Stockwerken zugeschrieben, wohl um die gewaltige Grösse Bilskirnirs in den Vergleich zu Walhalla zu stellen.

Heidrun heißt die Ziege vor Heervaters Saal,
Die an Lärads Laube zehrt.
Die Schale soll sie füllen mit schäumendem Met;
Der Milch ermangelt sie nie.

Eikthyrnir heißt der Hirsch vor Heervaters Saal,
Der an Lärads Laube zehrt.
Von seinem Horngeweih tropft es nach Hwergelmir:
Davon stammen alle Ströme.

[Grimnismal 25-26]

Die Einherjar werden Tag für Tag mit Met von der Ziege Heidrun beköstigt. Statt Milch gibt sie Met und sie ernährt sich von den Blättern des Baumes Läradr, der inmitten der Halle steht. Mit Läradr ist evtl. auch die Krone Yggdrasils gemeint. Ebenfalls ernährt sich von diesem Baum der Hirsch Eikthyrnir, von dessen Horn der Tau tropft und den Brunnen Hwergelmir speist. Von der Speise der Einherjar heisst es vorher im Grimnismal:

Andhrimnir läßt in Eldhrimnir
Sährimnir sieden,
Das beste Fleisch; doch erfahren wenige,
Was die Einherjer essen.

[Grimnismal 18]

Sährimnir ist ein Eber der sich, fast wie Thors Ziegenböcke, nachdem er verspeist wurde selbst erneuert. Andhrimnir ist der Koch und Eldhrimnir sein Kessel. Genzmer übersetzt die Namen als Rußgesicht (Koch), Rußschwarz (Kessel) und Kohlenruß (Eber). Vom Fleisch des Ebers werden ebenfalls Odins Wölfe Geri und Freki ernährt.

Thrymheim

Thrymheim heißt die sechste, wo Thiassi hauste,
Jener mächtige Jote.
Nun bewohnt Skadi, die scheue Götterbraut
Des Vaters alte Veste.

[Grimnismal 11]

Ursprünglich gehörte Thrymheim ("Donnerheim") dem Riesen Thiassi. Dieser raubte durch eine List die Idun und die Götter konnten so nicht mehr von ihren Äpfeln essen und begannen zu altern. Deswegen erschlugen sie ihn. Seit dem wohnt seine Tochter Skadi alleine in Thrymheim, bzw. während ihrer kurzen Ehe mit Njörd wohnten sie abwechselnd neun Tage in Thrymheim und neun Tage in Noatun.

Breidablick

Die siebente ist Breidablick: da hat Baldur sich
Die Halle erhöht
Zu jener Gegend, wo der Greuel ich
Die wenigsten lauschen weiß.

[Grimnismal 12]

In Baldurs Palast Breidablick ("Breitglanz") kann kein Frevel bestehen, denn sein Saal ist ebenso wie er selbst absolut rein.

Himinbiörg

Himinbiörg, ist die achte, wo Heimdall soll
Der Weihestatt walten.
Der Wächter der Götter trinkt in wonnigem Hause
Da selig den süßen Met.

[Grimnismal 13]

Heimdalls "Himmelsburg" steht am Ende Asgards direkt an der Regenbogenbrücke Bifröst. Dort wacht der Gott über die Brücke und bläst das Gjallarhorn wenn die Riesen zu Ragnarök die Brücke erstürmen werden. Aber bis dahin wird er in seinem Saal Met trinken.

Volkwang und Sessrumnir

Volkwang ist die neunte: da hat Freyja Gewalt
Die Sitze zu ordnen im Saal.
Der Walstatt Hälfte wählt sie täglich,
Odin hat die andre Hälfte.

[Grimnismal 14]

Freyja residiert in Volkwang, was sich als "Halle des Volkes" übersetzen lässt. Die eine Hälfte der gefallenen Krieger geht Odin zu, die andere beansprucht sie für sich und bringt sie in der Halle Sessrumnir unter.

Glitnir

Glitnir, ist die zehnte; auf goldnen Säulen ruht
Des Saales Silberdach.
Da thront Forseti den langen Tag
Und schlichtet allen Streit.

[Grimnismal 15]

In der aus Gold und Silber bestehenden Halle Glitnir ("Der Glänzende") ist Forseti der Thingvorsitzende.

Noatun

Noatun ist die elfte: da hat Niördr
Sich den Saal erbaut.
Ohne Mein (Fehl) und Makel der Männerfürst
Waltet hohen Hauses.

[Grimnismal 16]

Noatun, der Schiffsplatz, ist des Meeresgottes Njörds Heimat. Zeitweilig wohnt auch seine Gattin Skadi dort, aber ihr ist das Geschrei der Möwen zuwider. Nachdem sie versuchen abwechselnd in Skadis Burg Thrymheim und Noatun zu wohnen zerbricht die Ehe.

Widi oder Landwidi

Mit Gesträuch begrünt sich und hohem Grase
Widars Land Widi.
Da steigt der Sohn auf den Satell der Mähre
Den Vater zu rächen bereit.

[Grimnismal 17]

Widar wohnt im "weiten Land" Widi und ist dort so lange inaktiv bis es darum geht den Tod Odins zu rächen. Danach steigt in den Sattel seins Pferdes ("Mähre") und tötet Fenris.

Thomas

Kommentare zu diesem Beitrag:

Thomas Nesges
14.11.2003, 13:45 Uhr
Bei "zeitgenössischen" (Wikingerzeit) Darstellung sind wir auf archäologische Funde beschränkt, da wäre mir weder eine Abbdilung Noatuns noch Skadis bekannt. Ich meine mich an eine Njörd Statue zu erinnern, bin aber unsicher.

In der Edda findest du Niörd zB in Vafthrudnismal 38 (http://www.thomasnesges.de/edda/vafthrudnismal.html):

Sag mir zum zehnten, wenn der Götter Zeugung
Du weißt, Wafthrudnir,
Wie kam Niörd aus Noatun
Unter die Asensöhne?
Höfen und Heiligtümern hundert gebietet er
Und ist nicht asischen Ursprungs.

In Wanaheim schufen ihn weise Mächte
Und gaben ihn Göttern zum Geisel.
Am Ende der Zeiten soll er aber kehren
Zu den weisen Wanen.

Snorri beschreibt Noatun in Gylfaginning 23. Dort kannst du auch mehr über Njörd und Skadi lesen. Bragaroedur 56 ist ebenfalls interessant.
 
Wolfgang Lindemann
29.07.2006, 14:46 Uhr
Hervorragende Seite. Ich habe lange nach einer so systematischen Darstellung gesucht.
 

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