Trebeta  
 
Nicht authentisch!

Bau eines schaukampftauglichen Schildes

In dieser Anleitung geht es nicht darum einen historisch korrekten Schild zu bauen, sondern darum einen Schild zu bauen der für den Gebrauch im Schaukampf tauglich ist. Hier geht also Sicherheit vor historischer Korrektheit! Bei nächster Gelegenheit wird die Anleitung durch Bilder aufgewertet.

Einkaufsliste

2 Blätter Pappel-Sperrholz, 3-4mm dick, 80x80 cm
Ich fertige auch Schilde an, die aus einem Blatt Pappelsperrholz auf der Rückseite und einem Blatt Buchensperrholz auf der Frontseite bestehen. Das Buchensperrholz ist härter als Pappel, aber auch etwas schwerer. Genauso verhält es sich mit der Dicke der Blätter, zwei 3mm dicke Blätter reichen für den Einsatz gegen Schwert und Sax aus, gegen eine Axt kann ein solcher Schild allerdings reissen. Die Massangabe 80x80 cm ist relativ willkürlich gewählt. Der normale Kampfschild sollte so gross sein, dass der Ellbogen des Schildarms von ihm verdeckt wird.
1 Buchenholzlatte 50 cm
Das Stück ist für das Griffteil und kann aus jedem beliebigen anderen Hartholz sein
1l wasserfester Holzleim (evtl. mehr)
Wenn nicht explizit auf der Verpackung vermerkt ist, dass der Leim wasserfest ist, ist er das normalerweise nicht! Der Leim wird nachher nicht sparmsam eingesetzt, eine Flasche extra kann also nicht schaden.
Rohhaut 5-6cm * Schildumfang, bzw. ein grosser, gewickelter Kauknochen für Hunde
Wenn ein Kauknochen gewählt wird, darauf achten, dass es ein gewickelter, d.h. mit Knoten an beiden Enden, ist.
Schildbuckel
Gibt es in fast jedem Reenactor-Versand. Ein handgeschmiedeter ist am schönsten, aber relativ schwer. Ein maschinell gedrückter darf höchstens € 20 kosten.
15-30 geschmiedete Vierkantnägel 20mm, 4-6 geschmiedete Vierkantnägel 30-40mm
Gibt es auch im gut sortierten Reenactor-Versand. Die längeren Nägel werden benötigt um den Schildbuckel zu befestigen, werden also in der Anzahl der Löcher benötigt. Anstelle der langen Nägel könnten Nieten, für die Kurzen können auch geschwärzte Polsternägel verwendet werden (sehen allerdings nicht so gut aus)
4 Schlossschrauben oder starke Nieten
Werden benötigt zur Befestigung des Griffes am Schild. Die Länge richtet sich also danach (etwas länger lassen!). Wer die Möglichkeit hat zu Nieten sollte Nieten verwenden, ansonsten tun's auch Schlossschrauben.
2 Stoffreste in Grösse der Sperrholzblätter
Ein Teil wird unsichtbar angebracht, ist also relativ egal. Das andere kommt auf die Frontseite des Schildes, sollte daher kein Tischdeckenmuster haben und möglichst weiss sein. Alternativ kann für die Front auch Leder oder Rohhaut verwendet werden (oder auch gar nichts).
Farben zum anmalen des Schildes
Zum fixieren evtl. zusätzlich eine Sprühdose Klarlack

Hilfsmittel

Zusätzlich zu den Verbrauchsmaterialien werden folgende Dinge gebraucht:

Eimer Wasser,
Hammer,
Gegenschlag (Amboss oder zweiter Hammer),
Kneifzange,
Schraubzwingen,
Stück Schnur,
Bleistift,
Leimspachtel,
Schleifpapier,
Pinsel

Schildbau

Zunächst wird die Rohhaut in einem Eimer Wasser eingeweicht. Wir brauchen sie zwar erst gegen Ende, sie braucht aber relativ lange (12 Stunden) bis sie weich genug zur Verarbeitung ist. Am besten einfach in den Eimer und stehen lassen bis sie gebraucht wird (es sei denn das dauert Wochenlang). Wenn die Rohhaut eines Kauknochens verwendet wird, kann es sein, dass der Eimer unangenehm riecht. Also am besten draussen aufstellen, aber darauf achten, dass Tiere nicht in die Nähe des Eimers kommen.

Jetzt können die beiden Sperrholzblätter verleimt werden. Sie werden erst später zugeschnitten, damit auch die Ränder ordentlich verleimt sind. Zwischen die Blätter wird eine Lage der Stoffreste eingeleimt, das macht den Schild flexibler. Mit Leim nicht zu sparsam sein! Das ganze feste einspannen, am besten zwischen Werkbank und einer hinreichend grossen, schweren Platte und mit mehreren Schraubzwingen fixieren.

Wenn der Leim ausgehärtet ist (siehe Beschreibung auf der Verpackung), kann die Form ausgesägt werden. Der Mindestradius des Kreises ist die Strecke zwischen Fingerknöcheln und Ellbogen, aber es gilt: je grösser desto besser! Einen grossen Kreis kann man einfach anzeichnen, indem man einen Nagel in die Mitte der Platte schlägt, daran ein Stück Schnur befestigt und in Länge des Radius einen Bleistift festknotet. Mit dem Bleistift bei gestreckter Schnur einmal rund fahren. In der Mitte wird ein rundes Loch in Grösse des Schildbuckels ausgesägt.

Die Kanten sollten geglättet werden. Davon sieht man zwar später nichts mehr, aber an einer gebrochenen Kante reisst die Bespannung nicht so schnell wie an einer scharfen.

Der Schildgriff kann geschnitzt werden, muss aber nicht. Er sollte in der Mitte so dick sein, dass er gut gegriffen werden kann. Es macht auch Sinn die beiden Enden etwas abzuflachen.

Der Schildgriff sollte vor der Bespannung mittig über dem Schildbuckel-Loch auf der Rückseite des Schildes montiert werden, damit die Schlossschrauben, bzw. Nieten, unter der Bespannung verschwinden. An dem Griff wird der Schild später geführt, d.h. er wird sehr stark belastet. Die Befestigung sollte daher sehr fest sein.

Jetzt kann die Vorderseite des Schildes mit Stoff bespannt werden. Zuerst wird das Sperrholz sehr grosszügig mit Leim bestrichen, dann eine Stofflage darauf gelegt und relativ stramm um die Ränder gezogen. Den Schild umdrehen und die grobe Form aus dem Stoff schneiden (also rund um den Schild herum). Den Überstand rundherum zum Schild hin alle 2cm einschneiden. Den Rand des Schildes wieder grosszügig mit Leim bestreichen und die Stoffstücke umlegen, ziehen und andrücken und nochmals mit Leim bestreichen. In der Mitte werden zum Rand hin Schnitte gemacht, so dass sich Dreiecke bilden, die genau wie der äussere Rand auf die Schildrückseite umgelegt und verleimt werden.

Dem Leim sollte man genügend Zeit zum trocknen lassen bevor man anfängt den Schild individuell zu bemalen. Ausserdem empfiehlt es sich überschüssigen Leim abzuschleifen, da sonst später die Spachtelrillen sichtbar bleiben. Für Motivvorschläge sollte man sich nach Schnitzereien und anderen authentischen Verzierungen umsehen. Man ist allerdings relativ frei in der Gestaltung.

Nachdem die Farbe getrocknet ist kann der Schildrand angebracht werden. Dazu nimmt man möglichst lange, 5-6cm breite Rohhautstreifen und befestigt eine Ecke mit einem Nagel auf der Vorderseite des Schildes. Die Nägel sollen aus der Rückseite rausstehen und noch nicht umgeschlagen werden! Im Abstand einer Hammerkopflänge (ca. 10-12cm) wird der nächste Nagel eingeschlagen, wobei die Rohhaut auf Spannung gezogen wird. So macht man die ganze Vorderseite fertig, die Rohhaut klappt sich dabei immer wieder nach vorne und wird möglichst erst zum Schluss nach und nach auf die Schildrückseite umgeklappt. Auf der Rückseite wird die Haut unter Spannung über die Nagelspitzen gezogen und diese zur Mitte hin umgeschlagen und versenkt. Dabei sollte man auf den Nagelkopf auf der Vorderseite des Schildes auf einen Gegenschlag legen damit er nicht durch die Schläge auf die Spitze aus dem Holz getrieben wird. Nachdem alle Nägel versenkt sind, wird der Schild auf eine flache Fläche (Werkbank) gelegt und die Rohhaut auf der Rückseite wird beschwert (mit Steinen, Eisenteilen, Büchern, was so rumliegt). Dadurch wird verhindert, dass sich Falten im Rand bilden. Die Rohhaut braucht zum trocknen etwa genauso lang wie zum weich werden (ca. 12 Stunden).

Erst ganz zum Schluss wird der Schildbuckel montiert. Entweder man vernietet ihn oder befestigt ihn mit langen geschmiedeten Vierkantnägeln die man auf der Rückseite umschlägt und versenkt (wieder: Gegenschlag nicht vergessen!).

Jetzt kann zusätzlich auf der Rückseite des Schildes ein Trageriemen angebracht werden. Der Riemen sollte auf der Vorderseite eine Schnalle haben, die ungefähr auf der Mitte des Oberkörpers sitzt.

Tipps

Holz kauft man am besten im Holzbedarf und nicht im Baummarkt! Im Baumarkt ist Holz normalerweise wesentlich teurer und im Holzbedarf kann man Glück haben und das benötigte aus Reststücken (fast) umsonst bekommen.

Keine Hohlnieten verwenden! Hohlnieten sehen einfach bekloppt aus, damit ist man der Lacher auf jeder Veranstaltung.

Thomas

Kommentare zu diesem Beitrag:

Yeti
24.08.2004, 11:54 Uhr
Hohlnieten und Schlossschrauben sehen nicht nur bekloppt aus, sondern sind auch unauthentisch. Hohlnieten halten auch nicht. Ich hab schon einen mit 6 Hohlnieten montiereten Buckel abgeschlagen. Auf unserer VereinsHP gibts ein paar Tipps für Authentische Schildfarben. Die HP ist allerdings noch im Aufbau und eigentlich noch nicht vorzeigefähig, Trotzdem möchte ich euch die Rezepte nicht vorenthalten http://turba-fera.sjana.de/content.php?area=handwerk&subarea=schildbemalung
 
alrik
11.07.2005, 00:39 Uhr
diese anleitung ist.... einfach... PERFEKT!!!!!
habe ein schild nach dieser anleitung gebaut und bin nur
platt. es ist zwar schn etwas zeitaufwendig aber leute es lohnt sich.son schild hält echt was aus, der buckel wackelt nicht.... einfach toll.habe allerdings eine platte pappel mit 8 mm genommen und eine platte pappel mit 4 mm vorne drauf geleimt. folglich 1,2 mm aber immernoch superleicht und robust.
gruß alrik
 
alrik/florian
11.07.2005, 00:44 Uhr
ach so die fessel kann man auch mit längeren vierkanntnägeln (ich habe 40mm nägel benutzt) die man umschlägt und wieder im schild versenkt fixieren. insgesammt habe ich acht nägel benutzt und nach einigem dengeln hält er immernoch.
gruß alrik
 
hakon
21.08.2005, 17:42 Uhr
Hallo,
baue selbst Schilde und muß sagen, das ist echt eine super Anleitung.
Ich würde aber von reinen Pappelschildern abraten, da mir solche schon beim Schwertkampf gebrochen sind.
Gruß hakon
 
Ragnarwulf
05.09.2005, 10:14 Uhr
Hallo
Ich find eure Seite mit Abstand die beste die ich im Netz finden konnte.
Ich muß mal was zu der Plattenstärke sagen.Besser ist ein 12mm starkes Schild aus 3 4mm Starken Platten.jeweils sollte eine Lage Nesselstoff (im Fachhandel ab 1Euro der Meter zubeziehen)zwischen die Lagen gelegt werden.Dennoch ist es von Nöten auch auf den Faserverlauf zu achten so das das ganze Endgebilde jeweils abgesperrt ist zu der davorigen Lage. Das heißt laufen dei Holzfasern in den beiden äußeren lagen senkrecht so sollte die innere Lage waagerecht verlaufen oder umgekehrt.Dies stabilisiert nicht nur sondern verindert auch ein Verziehen durch Feuchtigkeit und erhöht somit die Haltbarkeit alleraufgebrachten Elemente wie Schildbuckel und Schildgriff.Dabei ist irrelevant ob da Stoff zwischen liegt oder nicht.Jedoch sollte man sich für Stoff entscheiden gilt :Bei 3lagigen Schilden immer zwei Stofflagen zwischen die einzelnen Schichten gelegt werden.
 
gokstad
20.11.2005, 18:43 Uhr
das ist fast richtig bis auf das mit dem holz
denn als holz würde ich lieber plastik nehmen
 
robin
15.06.2006, 13:53 Uhr
super anleitung! wart aber ne scheiß idee von alrik die fessel mit vierkantnägeln zu befestigen die hat sich bei mir gespalten
 
Stefan
13.12.2006, 16:59 Uhr
Hi Robin;
Falls Du es liest....
Nägel durch die Fessel nur bei vorgebohrten Löchern! Hartholz reißt leichter. Deshalb wird auch vermutet, dass Kampfschilder früher aus Weichholz (Pappel) gefertigt wurden, da dass Holz nicht so leicht bricht und steckengebliebene Pfeile oder Sperre können leichter wieder verwendet werden.
 
damian
12.01.2007, 13:51 Uhr
ey leute die seite is echt toll aber was denkt ir würe das auch in einer u form hinhauen wisst ihr wie ich meine :S so wie halt die meisten schilde die man halt so sit aussehen
und wegen hart und weich holz wie wäres wen man die oberste schicht hart der kerbenwegen und die 2 unteren weichholz des flexes wegen nimmt??? ich denke ich werde das ganze auch mal ausprobieren glg
 
Ingram
12.01.2007, 22:01 Uhr
Hi Damian.
WIr bauen beide Sorten, einmal den Wiki und einmal den Normannenschild, welcher auf oben beschriebene Weise funktioniert. Nur daß zwischen die einzelnen Holzschichten (wir nehmen außen Birke, innen Pappel) noch Stoff eingeklebt wird, meist Leinen, und dann, wenn der Leim zwischen den Platten frisch ist, noch bevor die Form gesägt wird, wird das ganze Gebilde mit Spanngurten (wie zur Ladungssicherung) unter Spannung gesetzt, bis es den gewünschten Radius hat. Danach wird der Leim ausgehärtet und voilá ! Man kann ne prima Form sägen.
 
Dennis
27.02.2007, 01:30 Uhr
Hey,

Da ich in der nächsten Zeit umziehe und meine Wohnung Mittelalterlich einrichten will, brauch ich auch ein oder mehrere Schilder. Wollte so mal nachfragen ob sich diese Dachpappen Nägel auch eignen? Und dann wollte ich mal wissen für was denn die Rohhaut genau sein soll?

MfG

Dennis
 
Thomas Nesges
27.02.2007, 09:01 Uhr
Zur Deko ist natürlich alles erlaubt was gefällt (wenn's nicht historisch korrekt sein soll), von daher kannst du auch Dachpappennägel verwenden - mir würden die allerdings nicht gefallen ;-) Die Rohhaut dient zur Verstärkung des Schildrandes. Das blanke Holz würde sonst schnell splittern.
 
Toralf
05.06.2007, 20:49 Uhr
könnte mir einer derjenigen die sich schon so einen Schild gebaut haben verraten was sie dafür insgesamt ausgegeben haben?
 
Christian
30.07.2007, 23:59 Uhr
Echt schöne Seite! Muss ich sagen die merk ich mir! Meine Frage: Ich will mir demnächst ein Kite (Tropfen)-Schild bauen Hat jemand eine Idee, wie ich das Holz am besten Biege und welches Holz sich am besten eignet??? Gruß Christian
 
Thomas Nesges
31.07.2007, 08:48 Uhr
Vielen Dank! Für Schaukampfschilde würde ich immer Sperrholz benutzen. Ums zu biegen kannst du nachdem du Vorder- und Rückseite verleimt hast, aber bevor der Leim trocken ist und bevor du die endgültige Form aussägst, das ganze einfach mit einem Spanngurt stauchen und dann trocknen lassen. Kenn ich zwar so auch nur vom Hören-Sagen, hört sich aber gut an :)
 
FLO
10.08.2007, 16:30 Uhr
wenn ihr einen gewölbten schild wollt, musst ihr ZUERST die spanplatten zuschneiden ( kreis mit loch in der mitte ) und dann ein ca. 10° - 15° grossen keil herausschneiden, je grösser der winkel desto grösser die wölbung ( die teile sollten jetzt in etwa aussehen wie pac-man ).beim verleimen die ausschnitte gegeneinander versetzt ausrichten, und wenn der leim noch feucht ist, aussen einen spanngurt umlegen und festzurren bis der spalt sich schliesst(jetzt sollte der schild sich schon von alleine wölben). dann noch mit einer UNMENGE an schraubzwingen und leimklemmen fixieren, damit die teile nicht verrutschen, et voila: ein gewölbter (eigentlich konischer) schild!
 
Thomas Nesges
20.08.2007, 09:20 Uhr
@FLO: Und ein Schild mit solch einer "Sollbruchstelle" hält mehr als drei Schwerthieben stand?
 
FLO
20.08.2007, 14:56 Uhr
dadurch dass die spalte gegeneinander versetzt ausgerichtet sind, sollte er in etwa soviel aushalten wie ein ''normaler'' schild. ansonsten kann man auch biegesperrholz verwenden, das federt etwas mehr.
 
bonobo
17.04.2008, 18:19 Uhr
seid gegrüßt,kenne die bauanleitung mit dem
ausgeschnittenen keil,kenne auch eine bauanleitung,wo man
ringe ausschneiden muß.was ich gerne wissen würde,ob die schilder früher auch geklebt worden sind.wenn ja,mit was für
ein leim? hab schon was von birkenpech und knochenleim gelesen,wurde aber nicht erwähnt,ob es auch beim schildbau
benutzt wurde.
 
Dennis
07.04.2009, 11:13 Uhr
Wunderbar als Rohhaut eignet sich ein Hundeknochen aus dem Tierbedarf (Kosten2-3 Euro) Man sieht das der Knochen gewickelt ist. Eine Stunde in warmes Wasser und er lässt sich abwickeln. Perfekt für den Schildrand!
 

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